Inflation
Kaum etwas im Finanzwesen ist so gefürchtet, wird aber auch so wenig verstanden wie Inflation.
Lassen Sie uns nachfolgend mit Hilfe der 'Österreichischen Schule der Nationalökonomie' etwas Licht ins Dunkel bringen!
Was heißt, was ist eigentlich Inflation?
Wörtlich übersetzt heißt Inflation "Aufblähung" (lat. inflare = aufblähen). Die meisten verstehen darunter einen Kaufkraftschwund: für dasselbe Geld gibt es weniger zu kaufen. Was wird denn da aufgebläht?
Warum Preissteigerungen keine Inflation sind
Wenn man für dasselbe Geld weniger Güter bekommt, meint man zunächst, die Preise seien - flächendeckend - gestiegen. Die Preise einzelner Waren oder Dienstleistungen können immer einmal steigen oder fallen, das wird von Angebot und Nachfrage bestimmt, doch erst ein allgemeines Ansteigen des Preisniveaus wird als Inflation bezeichnet.
Fälschlicherweise.
Die Menge der Güter ist nicht gesunken - sondern die Menge des Geldes gestiegen ! Die Geldmenge wurde aufgebläht. Inflationiert. Wenn mehr Geld für dieselbe Gütermenge zur Verfügung steht, dann kostet jedes einzelne Gut halt mehr. Nicht die Preise der Güter sind gestiegen, sondern die Menge dessen, in dem sie gemessen werden.
Ein Meter ist ein Meter. Das gilt auch für jede andere technische Größe. (Abgesehen von Toleranzen) gibt jedes Metermaß dasselbe Ergebnis aus. Würde man den selben Tisch hingegen mit einem Maßstab messen, dessen Teilstriche enger beieinander liegen (ihre Anzahl hat sich erhöht), könnte man ein "Mehr" an Einheiten ablesen - ohne daß sich die Abmessungen des Meßobjekts geändert hätten.
Erst das Geld, dann die Preise
Geld ist also eine variable Maß-Einheit (zumindest in einem Papiergeldsystem).
In der Praxis kommt zuerst die gestiegene Geld-Menge (= variable Maßeinheit) in den Wirtschaftskreislauf, dann folgt der gesunkene Wert jeder einzelnen Geldeinheit pro Kaufobjekt (= festes Meßobjekt). Milton Friedman: "Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen!"
Schleichend, galloppierend, Hyper: Arten von Inflation
Je nach dem, in welcher Geschwindigkeit sich die Geldmengenzunahme = Kaufkraftverlust entwickelt, spricht man von 'schleichender', 'galloppierender' oder von 'Hyper'-Inflation.
Mit einstelligen prozentualen Jahreswerten schleicht sie - das bemerkt man in einem Jahr kaum. Dennoch finden Sie es ganz 'normal', daß die Preise vor zehn Jahren viel niedriger waren, als heute. Bei 15% oder 20% jährlichen Wert-Schwunds wird es schon spürbarer. Und hat die Inflation erst einmal 50% im MONAT erreicht (Hyperinflation) ist es auch im Gefühl angekommen, daß das Geld keinen Wert mehr besitzt, Kaufkraft nicht mehr speichern kann. Dann gibt man es so schnell wie möglich aus.
Deutschland erlebte 1923 eine der schlimmsten Hyperinflationen der Geschichte. Die Erinnerung daran ist noch immer in unser "kollektives Gedächtnis" eingebrannt. Damals liefen die Druckerpressen unaufhörlich, bis das Papiergeld zum Schluß so wertlos war, daß man es im wahrsten Sinne des Wortes verheizte - im Ofen. Per Computer geht das heue viel einfacher (mit Kontoständen)...
Was schützt vor Inflation?
Das kommt auf die ART der Inflation an. Je höher die Inflationsrate, umso mehr schützen Sachwerte. Im Hyperinflationsfalle sind sie ohne Zweifel jedem Geld-"Wert" überlegen. Einen automatischen Ausgleich niedriger Inflationsraten liefert - leider - keine Anlageform. Deswegen sind Anlagen zu bevorzugen, die gute Gewinne aus laufenden Erträgen oder Substanzwachstum bringen. So gleicht ihr Zuwachs den Kaufkraftschwund aus.
Steht uns Inflation bevor?
Wenn Sie die vorstehenden Abschnitte gelesen haben, dann wissen Sie, daß es in den letzten Jahrzehnten ständig Inflation gab, allerdings "schleichend". Manchmal steigen die Preise über einen kurzen Zeitraum nicht, weil sich die Wirtschaft im Abschwung befindet. Seit jedoch in unserem Papiergeld-System ständig mehr Geld produziert wird, herrscht kontinuierlich Inflation (nur manchmal mit verzögerter Sichtbarkeit an den Preisen).
Wenn die Frage indes lautet, ob eine hohe Inflation zu erwarten steht, dann schauen Sie sich die Meldungen über staatliche Kreditaufnahme und Geldmengenzuwächse in der letzten Zeit an. Und machen sich Ihre eigenen Gedanken...



